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Fünf Erzieher in einer Kita

Fünf Erzieher in einer Kita

Die fünf TG-Hops-Erzieher inmitten ihrer Schützlinge.

Die fünf TG-Hops-Erzieher inmitten ihrer Schützlinge. Foto: Moritz Winde

 
Von Moritz Winde

Herford (WB). Von wegen Erziehung ist Frauensache: Bei TG Hops sind fast die Hälfte der Pädagogen Männer. Damit dürfte die Kita der Turngemeinde Herford landesweit spitze sein. Der NRW-Schnitt liegt gerade einmal bei vier Prozent.

 
 

Noch dürftiger sieht es im Kreis Herford aus. Nach Angaben des statistischen Landesamtes für Information und Technik sind von den 1137 Kita-Mitarbeitenden nur 42 männlich – oder anders gesagt 3,6 Prozent.

Auf noch weniger bringen es die fünf Einrichtungen in der Trägerschaft der Stadt Herford. Dort sei lediglich ein einziger Mann unbefristet beschäftigt, sagt Sprecherin Susanne Körner. »Im neuen Kitajahr gibt es aber Veränderungen. Es wird dann noch einen weiteren männlichen Erzieher geben.«

 

Astrid Brauner ist die pädagogische TG-Hops-Leiterin. Foto: Moritz Winde

Genau anders herum verhält es sich im Bewegungskindergarten an der Waldfriedenstraße, in dem 57 Mädchen und Jungen betreut werden. »Wir haben in unseren drei Gruppen insgesamt zwölf Erzieher, fünf davon sind Männer«, sagt Astrid Brauner, pädagogische Leiterin bei TG Hops.

Womit hängt diese ungewöhnlich hohe Quote zusammen, in einem Beruf, der eigentlich noch immer traditionell von Frauen ausgeübt wird?

Die 31-Jährige sagt, ein Grund sei sicher die besondere Ausrichtung der Kita. TG-Hops-Schwerpunkte sind Bewegung und Ernährung. »In Nordrhein-Westfalen gibt es nur zehn vergleichbare Einrichtungen.«

Nicht nur bei Eltern und Kindern komme das Konzept des Sportvereins sehr gut an, sondern auch bei den männlichen Kollegen. »Auf eine freie Stelle haben wir im Durchschnitt 30 Bewerbungen, sechs davon sind von Männern.«

Egal, ob Mann oder Frau: Bei der Einstellung komme es jedoch nicht aufs Geschlecht an, betont die Leiterin. »Wir stellen ja den Menschen ein. Und das muss passen.«

Wobei Astrid Brauner auch sagt, die Männer seien eine enorme Bereicherung – und zwar in allen Bereichen. »Wir haben immer mehr alleinerziehende Mütter. Die Männer sind zwar kein Vaterersatz, sie haben für die Kinder aber eine Vorbildfunktion. Und sie gehen ganz anders an viele Dinge heran, sie spielen anders. Auch für die Harmonie innerhalb des Teams sind sie wichtig. Der Umgang ist irgendwie lockerer.«

Die männlichen Erzieher – zwei von ihnen arbeiten in der U3-Gruppe der Marienkäfer – haben keine besondern Aufgaben. Sie müssen das machen, was anfällt. Dazu zählt Vorlesen, Toben, Basteln, aber auch Essen, Zähne putzen und Windeln wechseln: Vorbehalte habe es diesbezüglich noch von keinem Elternteil gegeben, sagt Astrid Brauner.

Das sagen die Erzieher

  Foto: Moritz Winde

Im Bad: Heilerziehungspfleger Francesco Caliandro (31) putzt mit Eibhlinn Zähne. »Das Konzept Ernährung und Sport hat mich von Anfang an überzeugt. Ich begeistere mich für Bewegung – und diese Begeisterung will ich den Kindern vermitteln.«

  Foto: Moritz Winde

Vorlesezeit: Erzieher Lukas Deppendorf (22) und Boldizsar (4) sind in ein Buch vertieft. »Es ist toll zu sehen, welche Fortschritte die Kinder machen.« Er arbeite gerne in diesem Beruf. Nur die Aufstiegschancen seien begrenzt. Deshalb möchte er später studieren.

  Foto: Moritz Winde

Ab geht’s: Erzieher Christian Müller (30) wagt mit Malin (3) aus der U-3-Marienkäfergruppe eine wilde Fahrt. »Ich freue mich, die Kinder Schritt für Schritt ins Leben zu begleiten.« Der Job komme übrigens prima an – auch bei Frauen.

  Foto: Moritz Winde

Im Sandkasten: Erzieher Max Leopold (25) und Jakob (2) bauen eine Burg. »Anfangs sind manche Eltern zu mir ein wenig auf Abstand gegangen. Das lag glaube ich aber nicht daran, dass ich ein Mann bin, sondern dass ich neu war. Unser Team hier ist spitze.«

  Foto: Moritz Winde

Stein auf Stein: Erzieher Christoph Boll (27) baut mit Menko (5) einen Turm. »Ich habe eine Ausbildung zum Informatiker gemacht. Doch das hat mich nicht erfüllt. Mir fehlte das Menschliche. Heute verdiene ich zwar weniger, bin dafür aber glücklicher.«

https://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Herford/Herford/3878482-Gleichberechtigung-mal-anders-Bei-TG-Hops-in-Herford-ist-der-Maenneranteil-sehr-hoch-Fuenf-Erzieher-in-einer-Kita

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